In diesem Artikel wird die Rot-Eiche (Quercus rubra) vorgestellt, die zum Baum des Jahres 2025 gekürt wurde. Der Artikel erschien als Teil des Tagungsbandes ‚Jahrbuch der Baumpflege 2025‘. Ziel des Beitrags ist die neutrale Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen dieser Baumart, um „eine optimale Entscheidung zu ihrer Verwendung und Bewertung für die jeweilige Situation und spezifische Bedingungskonstellation treffen zu können“ (S.12).
Merkmale
Zu Beginn werden die charakteristischen Merkmale der Rot-Eiche umfassend vorgestellt. Sie gilt als mittelgroße, schnellwachsende Baumart und wird maximal 250 bis 450 Jahre alt. Ihre Kronenarchitektur wird über das Modell RAUH definiert. Ihr ausgeprägtes phototropisches Wachstum kann zu einem schiefen Stammwachstum führen. Fällt die Terminalknospe aus, kommt es zu einem Austrieb der Seitenknospen, wobei schließlich die optimal belichtete Knospe dominiert. Dies ist bei der Rot-Eiche häufig der Fall, auch ohne zugrunde liegendem Schaden. Außerdem kann es zur Bildung von Johannistrieben bei freistehenden Bäumen, zur Entwicklung von Wasserreisern nach Freistellung älterer Bäume, sowie zu Stockausschlägen nach Fällungen kommen. Darüber hinaus wird die Zuwachsleistung behandelt. Auf ungünstige Bedingungen, wie Trockenheit oder Lichtmangel, kann die Rot-Eiche mit einem Schutzmechanismus in Form von Zweigabsprüngen reagieren.
Auch die Charakteristika der Blätter, Blüten, Früchte, Rinde und Wurzeln werden ausführlich dargelegt. Dabei werden auch die Keimung und Verbreitung der Samen behandelt. Die relativ spät austreibenden Blätter nehmen im Herbst verschiedene Färbungen an, wobei sie bei schlechter Wasserversorgung eine weniger intensive Rotfärbung aufweisen.
Bei jüngeren Bäumen besteht durch den häufig späteren Laubfall die Gefahr von Schneebruch bei Nassschnee-Ereignissen.
Die Durchwurzelung reicht meist in eine Tiefe von 1 bis 2 Metern (maximal 3,5 Meter). Die Wurzeln bilden bis zum Alter von 15 Jahren ein Pfahlwurzelsystem, wobei es bei Beschädigung zur frühzeitigen Entwicklung von stärkeren Seitenwurzeln kommt. Anschließend entwickelt die Rot-Eiche bis zum Alter von 50 bis 70 Jahren ein Herzwurzelsystem. Auf Sandböden, zweischichtigen Böden und Rekultivierungsböden zeigt sie eine gute Durchwurzelungsintensität und wird somit gerne auf ehemaligen Tagebaukippen und Deponien verwendet.
Vorkommen und Ökologie
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Rot-Eiche erstreckt sich über die USA und Kanada. Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist sie in Europa vertreten – nach Deutschland gelangte sie zwischen 1735 und 1740. Heute ist sie neben der Douglasie die „häufigste und ökonomisch wichtigste fremdländische Baumart“ (S. 17).
Hinsichtlich der Standortbedingungen gilt sie als anspruchslose Baumart, die auch mit Trockenheit und auf nährstoffärmeren Böden zurechtkommt. Bei der Pflanzung als Straßen- bzw. Stadtbaum ist jedoch zu beachten, dass sie bei pH-Werten über 6 kümmert. Die Gefährdung durch Winter- oder Spätfrost ist gering. Außerdem hat sie mit Zunahme des Alters und der Größe eine geringe Schattentoleranz.
Weiterhin wird die aktuelle Diskussion erwähnt, ob die Rot-Eiche als invasiver Neophyt gilt. Dies ist laut des Autors lediglich auf Felsstandorten in der Sächsischen Schweiz, aber i.d.R. nicht in sonstigen Waldgebieten der Fall.
Verwendung
Das Holz der Rot-Eiche ist schwer, hart und mäßig fest. Es wird als Bauholz im Innenausbau und trockenen Bereichen, als Brennholz und zur Produktion von Holzkohle genutzt. In Kiefernforsten kann die Rot-Eiche als „Feuerriegel“ dienen und wichtige ökologische Funktionen erfüllen.
Aufgrund der intensiven Herbstfärbung ist sie eine beliebte Baumart für Parks und Grünanlagen. Zudem gilt sie aufgrund der Salzresistenz, der Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze, Trockenheit, Frost, Rauchschäden und Luftverschmutzung als gut geeigneter Straßen- bzw. Stadtbaum. Gegenüber den heimischen Eichen-Arten weist sie eine Neigung zur Verzwieselung, eine schwache Kompartimentierungsfähigkeit, eine geringere Überschüttungstoleranz und die fehlende Toleranz gegenüber alkalischen Böden auf. Dennoch wird ihr aufgrund der Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen eine hohe Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel und somit eine gute Eignung für den urbanen Raum zugeschrieben.

Den Tagungsband können Sie hier erwerben:
Hier finden Sie mehr Informationen zur Rot-Eiche:
Autoren: Andreas Roloff
Jahr: 2025
Titel: Baum des Jahres 2025: Die Rot-Eiche (Quercus rubra) – ihre Eigenschaften und Besonderheiten
Seiten: 12 – 20
In:
Titel: Jahrbuch der Baumpflege 2025
Auflage: 29. Ausgabe
Herausgeber: Prof. Dr. Dirk Dujesiefken, Dipl.-Ing. Thomas Amtage, Dr. Markus Streckenbach
Verlag: Haymarket Media GmbH & Co. KG
Ort: Braunschweig
Quellenart: Tagungsband
ISBN: 978-3-87815-292-7